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Rezension: »Bin ich traumatisiert?« von Verena König

Bin ich traumatisiert? Eine Rezension aus spiritueller Sicht von Barbara Nobis
Lesedauer:13 Minuten
Buchtitel:Bin ich traumatisiert?  Wie wir die immer gleichen  Problemschleifen verlassen.
Lesesterne:***** (5 von 5 Sternen)
Autorin:Verena König 
Rezensentin:Barbara Nobis
Besonders feinfühlige und spirituell orientierte Menschen sehnen sich nach Verbundenheit. Vielen Traumatisierten ist es jedoch aufgrund ihrer Traumata zunächst nicht möglich, zu einer wahrhaftigen Verbundenheit zu finden. Foto von Anete Lusina@pexels.com

Mit »Bin ich traumatisiert?«  wirkt Verena König unter anderem der Macht des unerkannten Traumas in der Gesellschaft entgegen

Mit ihrem Buch »Bin ich traumatisiert?« informiert die Traumaexpertin Verena König aus vielen Gründen über die Folgen unerkannter Traumata. Zum einen geht es ihr darum, Traumatisierte darin zu unterstützen, selbstschädigende Verhaltensweisen zu beenden. So setzten sich traumatisierte Personen zum Beispiel konstant unter Druck, um zu funktionieren – und niemand wertet dieses Verhalten als mögliche Traumafolge. Schließlich leben wir in einer Gesellschaft, in der Konsum und Leistung einen höheren Stellenwert zu haben scheinen, als das menschliche Miteinander.

Die Leser:innen erfahren, dass sich Traumata nicht nur aufgrund von körperlicher Gewalt, sexuellen Übergriffen, oder durch einen Unfall entwickeln. Nein, das Traumaspektrum ist weitaus größer. Und: Traumata bleiben oft aus Unwissenheit unerkannt. Um der Macht des stillen Traumas entgegenzuwirken, erklärt Verena König in ihrem Buch die theoretischen und neurobiologischen Hintergründe von Traumata. Somit ist das Buch »Bin ich traumatisiert?« ein Mittel, um die Gesellschaft für das Thema Trauma zu sensibilisieren.

Auch spirituell orientierte Menschen können von der Lektüre des Buches »Bin ich traumatisiert?« profitieren

Der Titel »Bin ich traumatisiert?« verweist darauf, dass Verena König das Buch vor allem für traumatisierte Personen geschrieben hat. Es ist gedacht als Wegweiser zu einem selbstbestimmten Leben in Verbundenheit. Diese Verbundenheit ist nach Verena König das Grundbedürfnis aller Menschen. Kann dieses Bedürfnis nicht gelebt werden, bedeutet dies für uns Menschen viel Leid. Was passiert, wenn wir leiden? Meist beginnen wir, nach dem Sinn unseres Lebens zu fragen. Wir suchen auf einer höheren Ebene nach Antworten. Manche von uns wenden sich der Spiritualität zu. Denn: Ist es nicht der Kern aller spirituellen Lehren, dass wir alle eins und miteinander verbunden sind? Diese Verbundenheit wollen insbesondere feinfühlige, spirituell orientierte Menschen endlich spüren und erleben. Viele von ihnen bewegen Himmel und Hölle in sich, um es endlich zu erfahren, dieses Bewusstsein, Teil des Ganzen zu sein, in absoluter Verbundenheit zu allem und allen.

Die Kehrseiten einer Begleitung, die nicht traumasensibel ausgerichtet ist

Statt sich dem Gedanken zuzuwenden: »Bin ich traumatisiert – und was macht das mit mir?» fragen sich spirituelle Menschen oft verzweifelt: »Warum kann ich mein Ego nicht endlich loslassen? Warum kann ich nicht ablassen von meinem Wunsch nach Liebe, Sicherheit und Anerkennung? Aus dieser Perspektive betrachtet, können Trauma-Indikatoren wie etwa Beziehungsängste, Burnout, Lebensunlust, negative Emotionen, Selbstsabotage, Depressionen oder das Verweilen in toxischen Beziehungen als notwendiges Übel erscheinen, das uns in Richtung der All-Verbundenheit schubst.

Und ja, gegen diese Übel bieten Heiler:innen (mehr oder weniger schnell wirkende) Lösungen an. Sie nutzen zum Beispiel diverse Hypnosetechniken. Sie arbeiten unter anderem mit Energiearbeit und magischen Praktiken, um positive Energien zu stärken beziehungsweise negative Energien, Gedanken und Gefühle »aufzulösen«. (Das Wort »Auflösen« ist in Heilerkreisen eine sehr beliebte Vokabel!)

Die eben genannten Heilweisen haben ihre Berechtigung. Sie können Traumafolgen lindern. Von Zeit zu Zeit kommt es auch zu Spontanheilungen. Aber es gibt eben auch Menschen, bei denen diese Heilmethoden nur begrenzt wirken. Und einige traumatisierte Personen sind schlicht nicht dazu in der Lage, jene heilbringenden Praktiken anzuwenden. Wenn ich beispielsweise einem Menschen sage, er solle sich in einer Meditation dem höheren Selbst hingeben, wird der traumatisierte Anteil in ihm sich dagegen sperren. Gleiches gilt, wenn ein Traumatisierter zum Beispiel dazu angehalten wird, seine negativen Energien abfließen zu lassen, um »rein« zu werden und Negatives hinter sich zu lassen. Derartige Anweisungen können in den Betroffenen das Gefühl verstärken, falsch zu sein und in spiritueller Hinsicht zu versagen.

Auf diese Weise gerät der Weg zur seligmachenden All-Verbundenheit mitunter zum frustrierenden Marathonlauf für die Traumatisierten. Wenn die Heiler:innen am Ende ihres Lateins sind, mutmaßen einige von ihnen, dass es die hilfesuchende Person nicht wirklich ernst meine mit ihrem spirituellen Aufstieg. Einige Heiler:innen werten traumatische Erfahrungen als übertriebene Darstellung und als ein Sich-Wichtig-Machen. (Schließlich haben sie ebenso Schlimmes durchlitten). So habe ich in den vergangenen sechs Jahren Sätze wie die folgenden gehört:

  • »Tja, dann willst du (als Schöpfer:in Deiner Realität) das Problem wohl behalten«
  • »Wahrscheinlich malst Du Dir in Deiner Erinnerung die Erlebnisse viel drastischer aus, als sie es tatsächlich waren«
  • »Lass Thema XY endlich los und mach damit Deinen Frieden«
  • »Möglicherweise will Deine Seele nicht heilen«
  • »Wenn Du dich jetzt nicht auf diese Übung einlässt, wirst du vielleicht nie wieder die Chance bekommen, zu erwachen.«

Derartige Aussagen überforderter Begleiter:innen bewirken nur eins: Sie bauen bei der traumatisierten Person zusätzlichen Druck auf. Den Begleiter:innen mag ich keinen Vorwurf machen. Viele von ihnen sind selbst Opfer von Traumatisierungen. Als tapfere Heldinnen und Helden waren die meisten spirituellen Begleiter:innen, denen ich begegnet bin, davon überzeugt, ihre inneren Dämonen durch Energie-, Schatten-, und Vergebungsarbeit hinter sich gelassen zu haben. Meiner Erinnerung nach war jedoch keine der Begleiter:innen dazu in der Lage, die inneren Antagonisten in mir als Klientin aus einer mitfühlenden psychologischen Perspektive zu betrachten.

Ja, spirituelle Heiler:innen sind keine Traumatherapeuten. Und doch könnte es Traumatisierten sehr helfen, wenn sich spirituelle Heiler:innen dem Thema Trauma auch aus der psychologischen Perspektive nähern würden. Gut wäre es, wenn sie um körpertherapeutische Verfahren wüssten. Dabei entspricht das Wissen um das Trauma keiner Garantie für einen sensiblen Umgang mit Traumatisierten. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass auch Psychologen nicht immer eine vertrauensvolle Stütze für traumatisierte Menschen sind. Die Pallette reicht hier bis zum sexuellen Missbrauch der Klient:innen …

Was macht es mit einem traumatisierten Menschen, wenn das Trauma namenlos bleibt? Es wird ihm vermutlich schwerer fallen, seine negativ agierenden Anteile als das zu würdigen, was sie sind: Folgen eines Traumas! Nicht klar als Auswirkung eines Traumas tituliert, bleiben verletzte Anteile für die traumatisierte Person weiterhin nichtswürdige, leidbringende Schattenspieler:innen. Im besten Fall kann der/die Traumatisierte in den namenlosen Traumen einen Motor für seine spirituelle Entwicklung sehen. Und dennoch will ein traumatisierter Mensch seine Blockaden lieber heute als morgen aus dem Weg geräumt wissen.

Was bewirkt solch ein nicht traumasensibles Denken und Handeln? Stärkt es die Selbstakzeptanz des Traumatisierten? Fördert es das Wohlwollen sich selbst gegenüber? Oder nährt es den Glauben an Gut und Böse, an Schwarz und Weiß sowie an die trennende Dualität?

Trauma aus der Perspektive einer mitfühlenden Psychologin

Zuweilen verharren Traumatisierte (egal ob spirituell orientiert oder nicht) über Jahre in ihren Problemschleifen. Hier kann »Bin ich traumatisiert?« ein Türöffner zu mehr Selbstliebe sein. Es kann dazu ermutigen, auf selbstschädigendes Verhalten und negative, (erleuchtungsverhindernde) Gefühle mit Wohlwollen zu blicken. Die psychologische Sicht auf die erlittenen Verletzungen kann einen traumatisierten Menschen dazu ermutigen, in bestimmten Situationen auch mal eine Grenze zu ziehen und für sich einzustehen. Dies ist vor allem für spirituell orientierte Menschen nicht immer leicht. Schließlich scheint es auf dem Weg zur allumfassenden Verbundenheit stets um einen hundertprozentigen Einsatz zu gehen.

So werden spirituelle Sucher:innen immer wieder dazu aufgefordert, das Konzept der egobasierten Sicherheit hinter sich zu lassen. Ein Beispiel ist der Podcast des spirituellen Lehrers Christian Meyer vom 8. Juni 2023. Er trägt den Titel: »Erleuchtung und Sicherheit» passen nicht zusammen«.

Mitgefühl mit sich selbst zu haben, fällt Menschen, die in der Kindheit traumatisiert wurden, meist sehr schwer. Viele von ihnen gehen hart mit sich ins Gericht und versuchen, über Gebühr zu funktionieren und zu leisten.
Mitgefühl mit sich selbst zu haben, fällt Menschen, die in der Kindheit traumatisiert wurden, meist sehr schwer. Viele von ihnen gehen hart mit sich ins Gericht und versuchen, über Gebühr zu funktionieren und zu leisten. Foto von: Puwadon Sang-ngern auf Pegels.com

Im Gegensatz dazu ist die Suche nach Sicherheit für Verena König eine wichtige Voraussetzung, um innere Balance und äußere Verbundenheit empfinden zu können. Für Spirituelle mit einem Trauma klingt dies wie eine Einladung, endlich zu diesem wichtigen Bedürfnis zu stehen.

Wie bereits angesprochen, erläutert Verena König zu Beginn ihres Buches »Bin ich traumatisiert?«: wie ein Trauma in einem Menschen körperlich und seelisch wirkt: Es hält ihn gefangen im Modus des Kampfes gegen sich selbst. Ein Trauma lässt den Menschen erstarren und führt entweder zu Symptomen ständiger Übererregung oder zum Status ständiger Untererregung.

Weiterhin erfahren die Leser:innen, dass ein Trauma oft mit der Angst vor Nähe einhergeht. Dabei sehnt sich der traumatisierte Mensch eigentlich nach dem Verbundensein mit anderen. Möglicherweise gerät solch ein Problem zur Zerreißprobe für die traumatisierte Person. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn sich der traumatisierte Mensch Heiler:innen anvertraut, die bei der Heilung auf Hauruck-Methoden setzen. Hierbei wird der/die Hilfesuchende möglicherweise retraumatisiert.

Merke: Die Heilung eines Traumas ist ein langwieriger Prozess. Er bedarf seitens der traumatisierten Person der Ausdauer und der Sanftheit sich selbst gegenüber. Darüber hinaus braucht es Heiler:innen, Berater:innen und Begleiter:innen, die traumasensibel handeln.

Frühe Traumatisierungen können ein Gefühl wahrer Verbundenheit verhindern

Kommen wir zurück zu jenem Anliegen, das insbesondere spirituell orientierte Menschen verfolgen – dem Spüren von Verbundenheit mit »Allem-Was-Ist«. Diese Art des Bewusstseins scheint auf den ersten Blick abgehoben von jenem Sich-Verbunden-Fühlen, das Verena König im zweiten Kapitel ihres Buches »Bin ich traumatisiert« definiert:

Der Zustand der Verbundenheit ist etwas Wundervolles, Nährendes und Wohltuendes. In Verbundenheit miteinander entstehen Synergien. Die Idee eines Einzelnen wird erst durch das Sichtbarwerden für andere zu etwas Lebendigem. Nur, wenn wir uns austauschen, entstehen neue Blickwinkel. Wenn wir gemeinsam kreativ werden, kommen wir auf andere Ideen als alleine. Wir lernen voneinander. Sich auf das Wohlwollen und die Liebe eines anderen verlassen zu können, gehört zu den schönsten Gefühlen der Welt. Verbundenheit ist etwas Umfassendes und muss nicht immer auf andere Menschen oder Lebewesen bezogen sein. Wir können uns auch einem Anliegen oder einer Vision zutiefst verbunden fühlen, wobei das Maß an Verbundenheit hier einen Erfolgsfaktor darstellt. Auch Naturerlebnisse und der Genuss von Musik, Tanz oder Erinnerungen an schöne Momente können Quellen gefühlter Verbundenheit und eine große Ressource sein.

König, Verena. Bin ich traumatisiert? (Lebenshilfe Emotionale Selbstheilung) (German Edition) (S.93-94). GRÄFE UND UNZER Verlag GmbH. Kindle-Version.

Ist die gerade skizzierte, lebensnahe Definition von Verbundenheit vielleicht nicht erst die Voraussetzung, um auf gesunde Art und Weise die allumfassende Verbundenheit zu erfahren? Dabei setzt Verena König auf ein Verbundensein mit anderen, das die eigenen Grenzen und Bedürfnisse respektiert. Zugleich stellt die Autorin klar, dass für das Gefühl der Verbundenheit keine Leistungen zu erbringen sind. Ebensowenig sei Abhängigkeit mit der Verbundenheit gleichzusetzen.

Abseits des eben beschriebenen Ideals vertritt die Traumatherapeutin die Ansicht, dass die Gesellschaft es vielen Traumatisierten erschwere, die eigene Verbundenheit zu anderen, zum Leben und zur Welt zu erfahren. Denn: In unserer Welt mangele es generell an Verbundenheit. Dabei führe der unerlöste Schrecken in uns dazu, dass wir uns fortwährend von uns selbst distanzieren müssen, um gesellschaftlich zu bestehen. 

Nach Ansicht von Verena König wird durch die Verbundenheit die Idee des Einzelnen für seine Mitmenschen zu etwas Sichtbarem und Lebendigen. Bestandteil der Verbundenheit ist es, sich auf das Wohlwollen und die Liebe eines anderen verlassen zu können.
Foto von Fauxels auf pexel.com

Spiritualität kann die Heilung Traumatisierter unterstützen

Allerdings führt dieses »Sich-von sich-selbst-Distanzieren«, dieses »Sich-Anpassen» dazu, dass uns das Leben als nicht wirklich lebenswert erscheint. Diesem Höllenleben auf Erden setzen einige traumatisierte Menschen eine glücksverheißende Spiritualität entgegen. 

In ihrem Buch »Bin ich traumatisiert?« bezieht sich Verena König auf das Heilungspotenzial einer spirituellen Gesinnung. Spiritualität ist für sie hilfreich, solange sie dem traumatisierten Menschen die Würde zurückgibt. Eine hilfreiche Spiritualität im Sinne von Frau König lässt die traumatisierte Person in sich einen unversehrten Wesenskern erkennen. Dieser ist frei von allem Schmerz und allen düsteren Lebenserfahrungen. Für die Autorin bietet eine positiv verstandene Spiritualität die Möglichkeit, den Blickwinkel zu weiten und den eigenen Lebensweg von einer Metaebene aus zu betrachten.

Manche traumatisierte Menschen flüchten sich in die spirituelle Dissoziation

Verena König nennt zudem die Gefahren einer abgehobenen Spiritualität, die traumatisierte Menschen entführt – fort aus dem eigenen Körper, fort aus der (schrecklichen) Welt und fort von den (nicht vertrauenswürdigen) Mitmenschen. Ich spreche hier von der so genannten spirituellen Dissoziation. Traumatisierte dissoziieren möglicherweise, wenn sie sich stundenlang in tiefer Trance befinden und sich zugleich von zwischenmenschlichen Beziehungen sowie beruflichen Verpflichtungen entfremdet fühlen. Spirituelle Dissoziation kann auch dann gegeben sein, wenn der Mensch spirituelle Erfahrungen zur alleinigen Quelle des Lebenssinns postuliert. In extremen Fällen kann spirituelle Dissoziation zu einem Verlust des Realitätsbezugs führen. 

Verena König erklärt sehr weise und leserorientiert, warum manche Traumatisierte sich in die Spiritualität flüchten: 

Die Möglichkeit, mithilfe von Spiritualität Distanz zum eigenen Leben zu schaffen, ist ein schlauer Versuch, Sicherheit zu generieren. Wenn man im Hier und Jetzt und im eigenen Körper keine Sicherheit fühlen kann, dann eben weit weg davon, bestenfalls in einer heilen, dissoziativen Welt. Diese Distanz ist etwas anderes als die oben erwähnte Metaebene. Sie wirkt trennend und nicht verbindend, weswegen sie eine Sackgasse auf dem Heilungsweg darstellt.

König, Verena. Bin ich traumatisiert? (Lebenshilfe Emotionale Selbstheilung) (German Edition) (S.109). GRÄFE UND UNZER Verlag GmbH. Kindle-Version. 
Spiritualität wirkt nach Ansicht von Verena König positiv, wenn sie einen traumatisierten Menschen dabei unterstützt, in sich einen heilen Wesenskern sowie die eigene Würde zu entdecken. Mitunter flüchten sich jedoch traumatisierte Personen in die spirituelle Dissoziation.
Spiritualität wirkt nach Ansicht von Verena König positiv, wenn sie einen traumatisierten Menschen dabei unterstützt, in sich einen heilen Wesenskern zu entdecken. Mitunter flüchten sich jedoch traumatisierte Personen in die spirituelle Dissoziation. Foto by cottonbro studio_at_pexels.com

Das Buch »Bin ich traumatisiert? gibt erste Anregungen zur Selbstregulation 

Die eben zitierten Zeilen zeigen ansatzweise, Verena Königs  Zugewandtheit zu ihren (unter Umständen traumatisierten) Leserinnen und Lesern. Ab Kapitel drei erinnert die Autorin ihre Leserschaft immer wieder daran, sich auf dem eigenen Heilungsweg mit Wohlwollen zu begegnen. Es gelte, mit sich selbst achtsam und sanft umzugehen. Es gehe darum, sich wohlwollend zu beobachten und bewusst zu handeln, statt unbewusst zu reagieren. Wann immer ein Leser oder eine Leserin von sich erwarte, zu funktionieren, entferne sie sich von der Achtsamkeit (im Sinne eines behutsamen Umgangs mit sich und den verletzten Anteilen).

In ihrem Buch spricht Verena König auch immer wieder von der so genannten Selbstregulation. Dies ist die Fähigkeit, den eigenen körperlichen und emotionalen Zustand zu beeinflussen. Idealerweise erlernt ein Kind dies durch die so genannte Co-Regulation seiner Eltern und anderer Erwachsener. Ein Kind erfährt durch die liebevolle und tröstende Zuwendung, dass Momente, in denen wir uns verletzlich und schlecht fühlen, wieder vergehen. Kinder, die solche Erfahrungen nicht machen können, erleben sich in Ohnmacht und Todesangst und entwickeln dysfunktionale Strategien, um zu überleben. Um aus den daraus resultierenden Mustern von Kampf, Flucht, Todstellen oder Unterwerfung herauszukommen, bedarf es unter anderem der Selbst-Regulation. Erste Anregungen zum Erlernen dieser Selbstregulation finden die Leser:innen in Kapitel vier von »Bin ich traumatisiert?»

Fazit des Buches »Bin ich traumatisiert?«

Verena Königs Buch »Bin ich traumatisiert?« kann ein Anfang sein, um sich als spiritueller Mensch wohlwollender zu begegnen. Es kann dazu ermuntern, mit Hilfe traumasensibler, körperorientierter Verfahren einen wohlwollenderen Blick auf selbstschädigende Verhaltensmuster zu werfen. Das Buch wendet sich in einer sensiblen Art und Weise an Menschen, die möglicherweise ein Trauma erlitten haben und hilft fachkundig weiter. Deshalb erhält Verena Königs aktuelles Buch »Bin ich traumatisiert?» fünf von fünf Sternen. 

Weitere Lesetipps zum Thema Trauma

Wer es etwas fachlicher mag, dem sei folgende Lektüre empfohlen:  »Entwicklungstrauma heilen. Alte Überlebensstrategien lösen, Selbstregulierung und Beziehungsfähigkeit stärken» von Laurence Heller und Aline Lapierre. Zu guter Letzt lohnt sich auch ein Blick in das Werk von Peter A. Levine. Es heißt: »Vorm Trauma befreien. Wie Sie seelische und körperliche Blockaden lösen.«

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